Historismus

historismus04Der Historismus brachte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Wiederauflage der historischen Stile mit sich; er wirkt vereinzelt bis in unsere Zeit nach.
Er bevorzugt üppig dekorierte Gläser mit Mehrfachüberfängen, Transparent-, Email- und Goldmalerei. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen auch eine Reihe großer, sehr aufwendig gestalteter Prunkpokale, die mit Deckel eine Höhe von bis zu 70 cm erreichen können.

Das Glasmuseum besitzt eine Reihe solcher transparenter oder rot- bzw. gelbgebeizter Meisterstücke, bei denen neben dem komplizierten Schliff die tief in die Wandung des Glases hineingearbeiteten oder reliefartig hervortretenden Szenen beeindrucken. Oft dienten beliebte Gemälde oder Stiche den Glasschneidern als Vorlage.

Auf die Gläser des 19. Jahrhundert werden häufig auch Veduten – Ansichten von landschaftlichen oder architektonischen Sehenswürdigkeiten – eingraviert. Mit den 700 Vedutengläsern der Sammlung Mahler, die dem Glasmuseum seitens der Bundesrepublik Deutschland als Dauerleihgabe überlassen wurde, besitzt Rheinbach die umfangreichste öffentliche Kollektion dieser Art.

Die kulturgeschichtliche sehr interessanten Bestände geben Auskunft über die bevorzugten Reiseziele des 19. Jahrhunderts. Es überwiegen die mondänen Badeorte: neben den böhmischen Bädern Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Teplitz sind Wiesbaden, Baden-Baden und Bad Ems dargestellt.

Außerdem sind romantische Ansichten des Rheintales, des Elbsandsteingebirges und des Riesengebirges anzutreffen. Die Gläser wurden als Reiseandenken erworben oder als Erinnerungsgläser verschenkt, aber auch bei den Mineralwasser-Trinkkuren in Gebrauch genommen. Die Graveure bereiteten in der heimischen Werkstatt die Gläser soweit vor, dass sie auf ihren Verkaufsreisen nur noch das Monogramm des Käufers und das Datum einsetzen mussten.

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